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Bedürftige können sich ab Anfang Dezember anmelden — Fahrdienst zur Kreisstadt soll organisiert werden

Florstadt/Friedberg (sl). Längst hat sich die Bürgerhilfe Florstadt (BHF) einen Namen in der Vermittlung von Hilfesuchenden und ehrenamtlichen Mitarbeitern gemacht. Besonders die Begleitung bei Arztbesuchen oder Behördengängen, Einkaufshilfen sowie Besuche bei älteren oder allein stehenden Menschen beschäftigt die Aktivisten jener Organisation, die aus dem Agenda-Prozess und der Arbeitsgruppe »Soziales und Wirtschaft« hervorgegangen ist. Doch damit nicht genug: Die BHF sucht nach neuen Aktionsfeldern, um sich weiter für benachteiligte und sozial schwache Mitmenschen einzusetzen. Als neueste Errungenschaft ist der Zugang für Florstädter zur »Friedberger Tafel« anzusehen, der dieser Tage beschlossen wurde.

»Tägliches Brot« nicht selbstverständlich
Die Tafeln in Deutschland kümmern sich seit fast 15 Jahren um Menschen, deren soziale Lage keine gesicherte Ernährung erlaubt. Berlin über- nahm 1993 eine Vorreiterrolle. Dort wurde — nachdem die Idee des »Tafel« 1963 in Phoenix im US-Staat Arizona aus der Taufe gehoben worden war — die erste »Tafel« in Deutschland gegründet. 1998, nach fünf Jahren, waren es 100 solcher Einrichtungen bundesweit, im Sommer 2007 ging die 700. »Tafel« in Deutschland an den Start. »Verwerten statt vernichten« ist der Grundsatz, nach dem bei Bäckern, Metzgern oder Supermärkten Lebensmittel eingesammelt werden und den berechtigten Personen gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung gestellt werden. Etwa 25 Prozent aller Lebensmittel müssen vernichtet werden, weil ihre Verpackung beschädigt wurde oder weil sie kurz vor Ablauf des Min- desthaltbarkeitsdatums stehen. Diesen Gegensatz von Lebensmitteln im Überfluss und der großen Zahl an Menschen, für die das »tägliche Brot« nicht selbstverständlich ist, wollen die »Tafeln« auflösen.
Peter Radl, neu gewählter Ländervertreter der hessischen »Tafeln« und bisheriges Vorstandsmitglied der »Friedberger Tafel«, wohnte jetzt einem Helfertreffen der Bürgerhilfe Florstadt im Bürgerhaus Ober-Florstadt bei und informierte über die Arbeit. Viele Menschen müssen täglich mit 4,50 Euro drei Mahlzeiten bestreiten — fast unmöglich. Deshalb werden Rationen bei den »Tafeln« für ein kleines Entgeld abgegeben. Radl erläuterte die Ziele des Vereins, die Ausstattung mit Fahrzeugen, Kühlräumen, einem Laden samt Ausstattung sowie der Büroeinrichtung, den Lebens- und den finanziellen Mitteln sowie den vielschichtigen Aufgaben der unentbehrlichen, ehrenamtlichen Helfern. Die Organisation der Lebensmittelverteilung, die Klärung der Berechtigung, die Vorbeuge gegen Missbrauch und eine Zukunftsprognose auf die Bevölkerungsschichten, die bedürftig werden, waren weitere Themen seiner Ausführungen. Die »Friedberger Tafel« gründete sich Anfang des vergangenen Jahres und gab ihre ersten Lebensmittel im Sommer 2006 aus.

Sponsoren sollen gesucht werden
Einig waren sich die Florstädter BHF-Aktivisten, dass auch Florstädtern der Zugang zu einer Tafel ermöglicht werden sollte. Im Verlaufe des Abends konnte sogleich ein Modell für die Zusammenarbeit der Tafel Friedberg mit der Bürgerhilfe Florstadt ausgearbeitet werden. Bedürftige können sich demnach ab der ersten Adventswoche während der Bürozeiten der Bürgerhilfe Florstadt (donnerstags 16 bis 18 Uhr; Stadtverwaltung Florstadt) anmelden. Die geschulten Bürodienstkräfte der Bürgerhilfe nehmen die Überprüfung der Berechtigung vor und stellen entsprechende Ausweise aus. Berechtigt sind in erster Linie Menschen, die öffentliche Leistungen beziehen wie Sozialhilfe/Sozialgeld oder Arbeitslosenhilfe und Arbeitslosengeld nach Hartz IV. Gleichzeitig werden die Aktivisten der Bürgerhilfe Sponsoren suchen und Bäcker, Metzger oder Lebensmittelhändler in Florstadt wegen Lebensmittelspenden ansprechen, erklärte BHF-Sprecher Dieter Eckhardt. Abzuholen sind die Lebensmittelzuteilungen in Friedberg, Kleine Klostergasse 11. Florstädter Bedürftigen, die ihre Lebensmittel selbst nicht abholen können, hilft die Bürgerhilfe mit einem noch zu organisierenden Fahrdienst. Deshalb sucht die BHF weitere Mitstreiter für die gute Sache, die sich ebenfalls während der Bürozeiten registrieren lassen können.
Alle Anwesenden waren sich einig, damit einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung zur Unterstützung von sozial schlechter gestellten Personen in Florstadt unternommen zu haben. Mit Anneliese Eckhardt konnte an diesem Abend auch gleich die erste Aktivistin der BHF als neues Mitglied im Verein »Friedberger Tafel« begrüßt werden. Sie überreichte nach Radls Ausführungen spontan ihre unterzeichnete Beitrittserklärung.

Bildunterschrift:
Spontaner Entschluss: Anneliese Eckhardt zeigt sich beeindruckt von der Arbeit der »Friedberger Tafel« und überreicht Peter Radl nach dessen Vortrag ihre Beitrittserklärung. (Foto: Lutz)