Sparkasse Oberhessen präsentiert erstmals Sozialbilanz— Lob an zahlreiche lokale Initiativen
Wetteraukreis (kop). Erstmals hat die Sparkasse Oberhessen ihre Sozialbilanz gezogen. Bei dem Überblick der Investitionen des Geldinstituts und seiner Stiftung in die vier Bereiche Kultur, Sport, Soziales und Bildung standen die Tafeln in der Wetterau und im Vogelsberg im Mittelpunkt. In der Trapp‘schen Villa in Friedberg waren am Donnerstag Vertreter von vier dieser Einrichtungen für Bedürftige anwesend und berichteten über ihre Arbeit.
Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Günter Sedlak, sprach von einem hohen Stellenwert des sozialen Engagements, auch wenn das Kerngeschäft des Unternehmens ein anderes sei. Über die sozialen Aktivitäten lasse das Institut den Menschen etwas zurückkommen und am Erfolg, der durch die Kunden komme, teilhaben. »Es handelt sich um eine Rückvergütung an die Region, auch wenn wir als regionales Unternehmen immer mehr Konkurrenz durch Direkt- und Autobanken sowie internationale Banken verspüren«, so Sedlak. Man stelle sich dieser Konkurrenz und trete in der gesamten Fläche des Geschäftsgebiets auf.
Oftmals seien es global agierende Unternehmen, die von sozialer Verantwortung redeten, dann aber in den seltensten Fällen handelten. Mit dem Engagement im sozialen Bereich sei eine Wertschätzung der Sparkasse für die Region verbunden. Damit trete man nicht nur als einer der größten Arbeitgeber und Steuerzahler, sondern auch als Förderer auf.
Leider habe man nicht alle Vereine und Institutionen bedienen können, »wir haben weit mehr Anfragen erhalten, als wir realisieren konnten«, so Sedlak. 288 000 Euro flossen in die vier Stiftungsbereiche. In der Publikation »Verantwortung zeigen — Die Sozialbilanz 2006« geht das Institut auf sein Engagement ein.
Die Sparkassen-Finanzgruppe sei der größte nichtstaatliche Kulturförderer in Deutschland. Dabei bilde die Sparkasse Oberhessen keine Ausnahme. Mit insgesamt 68 764 Euro habe sie gemeinsam mit regionalen Veranstaltern renommierte Künstlern nach Oberhessen geführt und Foren für regionale Kunst geschaffen. Exemplarisch nannte Sedlak den »Münzenberger Kultursommer«, die Burgfestspiele Bad Vilbel, »Nidda literarisch«, die Lauterbacher Pfingstmusiktage, »Kabarettigkeiten« in Ortenberg und die Nieder- Mooser Orgelkonzerte.
40 315 Euro flossen in die Förderung des Sports. Sedlak bezeichnete diesen Bereich als gesellschaftliche Aufgabe. Breitensport und vor allem der Nachwuchs müssten gefördert werden. Hier gelte das Motto »Dabei sein ist alles«. So zum Beispiel bei der Laufserie um den 13. Sparkassen-Oberhessen-Cup, dem Sparkassen-Fußall-Hallen-masters und dem Wettbewerb »Ironkids«.
Unterstützt: Hilfe zur Selbsthilfe
In Erinnerung an die eigenen Wurzeln mit der Gründung durch engagierte Bürger vor fast 175 Jahren werde auch das soziale Engagement verstärkt gefördert. So flossen im vergangenen Jahr 76 453 Euro an Vereine, die vor allem eins anböten: Hilfe zur Selbsthilfe. Über 200 Vereine und Projekte seien gefördert worden. Weiterhin verwies Sedlak auf die inzwischen sieben Geschirrmobile, die das Unternehmen bereitstelle. Durch ihre Auszubildenden habe die Sparkasse auch selbst Hand angelegt, so beim Bau eines neuen Spielplatzes für den integrativen Kindergarten in Hirzenhain.
»Bildung ist das Fundament und der Motor unserer Gesellschaft«, erläuterte Sedlak und verwies auf 103 225 Euro, die das Unternehmen in diesen Bereich gesteckt habe. Gefördert wurden schulische und außerschulische Bildungsträger. So nahmen über 300 Teams am »Planspiel Börse« teil, groß war die Resonanz auch bei der »Start up Werkstatt«.
Die »Wetterauer Schultheatertage«, die alljährlich im Theater »Alte Feuerwache« im Bad Nauheimer Sprudelhof stattfinden, seien die geeignete Bühne für die Schauspieler von morgen. Auch der »Zeitungstreff« sei ein Beispiel für eine spielerische Wirtschaftserziehung.
Arbeit ehrenamtlicher Tafeln gewürdigt
Einmütig dankten die vier anwesenden Vertreter der heimischen Tafeln für das Engagement der Sparkasse in ihrem Segment. 9000 Euro spendete das Institut für die Arbeit der lokalen Initiativen. So trägt der Anteil für die Schottener Tafel zur Anschaffung eines Fahrzeugs bei, mit dem auch die abseitigen Dörfer versorgt werden sollen, erläuterte Werner Dietz.
Viele ältere Menschen schämten sich ihrer Altersarmut wegen und nähmen die Hilfe der Tafel deswegen nicht in Anspruch. Mit dem Fahrzeug sollen mehr Geschäfte angefahren werden, um somit genug Lebensmittel für zwei Ausgabetage pro Woche beschaffen zu können. Derzeit versorgt die Schottener Tafel knapp 200 Menschen, rund die Hälfte davon sind Kinder. »100 Familien stehen bei uns auf der Warteliste«, so Dietz. Vor allem alleinerziehende Mütter könnten mit Lebensmitteln versorgt werden.
Diesen Ausführungen schloss sich Heinz-Werner Konrad von der Büdinger Tafel an. Die Tafel sei durch sechs Verbände im Januar gegründet worden und stelle bereits jetzt eine Erfolgsstory dar. 471 Menschen, davon ein Drittel Kinder, könnten durch die kostenlosen Abgaben der Märkte versorgt werden.
Doch auch hier befänden sich noch über 200 Menschen auf der Warteliste. Mit der Anschaffung eines Kühlfahrzeugs sollen künftig mehr Frischwaren herangeschafft werden können. 25 Prozent der Lebensmittel in Deutschland würden weggeworfen, die Tafeln kümmerten sich um eine sinnvolle Verteilung.
Dr. Peter Rothkegel ging auf die Gründung der Butzbacher Tafel mit einem wochentäglichen Essen für einen Euro in der Sozialstation der AWO ein. Zunächst habe man keinen eigenen Laden gehabt, nun aber würden dort rund 500 Menschen, darunter 120 Kinder, an zwei Tagen pro Woche versorgt. Trotz vielfältiger Zuwendungen werde immer wieder Geld benötigt, derzeit für ein Lager und ein neues Fahrzeug. Unter den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern befänden sich auch einige Jugendliche, die so an soziale Arbeit herangeführt werden könnten.
Peter Radl von der Friedberger Tafel holte etwas weiter aus und ging auf die Missstände in der Politik und das Ansehen der Tafelarbeit ein, die nicht immer wohlwollend gesehen werde. Vor allem ältere Menschen müssten mit weniger als 4,50 Euro pro Tag auskommen. Die Friedberger Tafel habe sich im vergangenen Jahr als eingetragener Verein gegründet und versorge inzwischen 660 Menschen, darunter fast die Hälfte Kinder, an drei Ausgabetagen mit Lebensmitteln.
Ein-Euro-Kräfte im Einsatz
Dafür bestehe ein großer Personalbedarf, der teilweise durch Ein-Euro-Kräfte abgedeckt werde. 50 Familien befänden sich noch auf der Warteliste. Als neues Projekt sollen nun Fahrzeuge in die Stadtteile fahren und bedürftige Familien direkt vor Ort versorgen.
Radl unterstrich, dass die Bedürftigen für ihr Essen bezahlten. Zum einen könnten sie somit ihren Stolz, auch vor ihren Kindern, bewahren, zum anderen müsse der Betrieb der Tafel gedeckt werden.
Bildunterschrift:
Die Sozialbilanz der Sparkasse Oberhessen wird im Beisein von Vertretern der örtlichen Tafeln in Friedberg präsentiert. Hintere Reihe v. 1.: Heinz-Werner Konrad (Tafel Büdingen) und Peter Radl (Friedberg). Vordere Reihe v 1.: Werner Dietz (Schotten), Dr. Peter Rothkegel (Butzbach) und Günter Sedlak, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oberhessen. Foto: Kopp
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