Eine segensreiche Einrichtung
Zum Artikel »Friedberger Tafel beginnt mit ihrer Arbeit«, WZ vom 17. Januar
Die Gründung der Friedberger Tafel zur Unterstützung für Menschen in finanzieller Not mit Nahrungsmitteln ist eine segensreiche Einrichtung, die von allen Bürgerinnen und Bürgern, die dazu in der Lage sind, unterstützt werden sollte. Wenn auch die Bundesrepublik Deutschland nach ihrem Grundgesetz ein demokratischer und sozialer Rechtsstaat ist und damals kein Mensch einkommens- und obdachlos werden darf, gibt es doch immer mehr Mitbürger, die mit ihrem Einkommen oder staatlichen Unterstützungen an der Grenze ihres Existenzminimums leben müssen. Diesen Menschen zu helfen, hat sich die Tafel zum Ziel gemacht.
Die Armut und insbesondere die Kinderarmut in dem »Wohlstandsland« Deutschland, der drittstärksten Industrienation der Welt und seines Zeichens Exportweltmeister, wird immer größer, während das Einkommen der Reichen immer mehr steigt. So sind Managergehälter, die das Einkommen ihrer Arbeitnehmer um das Mehrhundertfache übersteigen, keine Einzelfälle mehr und häufen sich im Gegensatz dazu Stundenlöhne von Arbeitnehmern um die drei Euro, womit selbst die Leistungen nach Hartz IV unterlaufen werden. Damit wird diesen Menschen die Teilnahme an unserem gesellschaftlichen Leben in Deutschland nicht nur erschwert, sondern gar vereitelt.
Nur der ausgeprägte Wettbewerb unter den Nahrungsmittelherstellern in unserem Land hat es überhaupt möglich gemacht, dass die Preise für Lebensmittel bei uns unter dem westeuropäischen Niveau liegen und auch viele Sonderangebote zur Verfügung stehen, auf die der Einkommensschwache dann zwangsläufig zu greifen muss.
Aber selbst mit Sonderangeboten werden manche aufgrund ihrer Einkommenssituation nicht satt. Sie alle bedürfen unserer Hilfe. Dabei dürfen wir — und überhaupt die Weltgemeinschaft — keinesfalls die immer noch hungernden und frierenden Erdbebenopfer in Pakistan und davor in der Türkei vergessen. Hier hat der Teilsatz »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein« eine ganz andere Bedeutung erlangt.
Dieter Debus, Friedberg (Debus ist Stadtverordneter und Pressesprecher der CDU),
Almosen sind nicht genug
Es war der Niddaer Apotheker, Fabrikant und Handeismann Theodor Borberg, übrigens in jener Zeit auch Bürgermeister (1837 bis 1843), der 1847 als Vorsitzender der städtischen Armen- Kommission die Armen-Suppenanstalt ins Leben rief, die täglich 300 Bedürftige aus Nidda und den umliegenden Orten mit Grundnahrung versorgte. Dies nur zur Klarstellung gegenüber den Tafel-Gründern aus Friedberg und Bad Nauheim, die behaupten, ihr Konzept käme, wie so vieles angeblich Gute, aus den Vereinigten Staaten. Um es deutlich zu sagen: Gegen Umverteilung des Überflusses von oben zum Mangel nach unten habe ich keine Einwände. Ich möchte jedoch verdeutlichen, dass Almosenunterstützung allein, ohne politisches Verlangen nach sozialer Veränderung und Verbesserung der Lage der Hilfebedürftigen, nicht ausreicht. Es reicht nicht einmal über die Zeit des Herrn Borberg zu Nidda hinaus.
Peter Hartung, Nidda (Hartung ist Kreistagsabgeordneter der Grünen)

