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Auftakt für eine >>ganz wichtige Angelegenheit<<

Informationsveranstaltung im Rathaus zur Friedberger Tafel – Suche nach einem Laden sowie Sponsoren und Helfern

Friedberg (har). Bekannt sind die Tafeln, die zunächst in Großstädten dafür sorgten, dass Menschen, die in Armut leben, einwandfreie Nahrungsmittel, die ansonsten vernichtet würden, bekommen, oder die größere Suppenküchen unterhielten und dort warme Mahlzeiten ausgaben. Inzwischen existieren bundesweit über 540 Tafeln, davon 31 in Hessen und darunter eine in Butzbach, die gerade ihren Betrieb aufgenommen hat. Versorgt werden von den 26000 Helfern der Tafeln täglich mehr als 500000 Menschen, darunter elf Prozent Obdachlose, 41 Prozent Hartz-IV-Empfänger sowie Rentner, Aussiedler, Nicht-Deutsche und eine große Zahl an Allein- erziehenden mit Kindern.

Auch in der Kreisstadt gibt es diese Armut, über die in der Öffentlichkeit kaum gesprochen wird. Grund genug für die, beiden Friedberger Hannelore Finkernagel und Peter Radl, die Gründung einer Friedberger Tafel zu initiieren. Am Dienstagabend fand im Saal des Rathauses eine erste Informationsveranstaltung statt, zu der die beiden gut 40 Besucher, darunter Bürgermeister Michael Keller und Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Holender, den Landesvorsitzenden der Hessischen Tafeln, Hans Mengeringhaus aus Kassel, sowie Vertreter der Parteien, Mitglieder von Wohlfahrtsverbänden und aus dem kirchlichen Bereich begrüßen konnte.

Angesichts des schlechten Wetters hatten fast 20 Interessenten abgesagt, aber ihre Bereitschaft, an der Tafel mitzuwirken oder diese zu unterstützen, bekundet. Als Hausherr begrüßte zunächst Keller die Besucher und bezeichnete die Gründung einer Friedberger Tafel als »eine ganz wichtige Angelegenheit«, die er sowohl persönlich als auch im Namen der Stadt unterstützen werde.

Kurz begrüßte Hannelore Finkernagel die Besucher und erläuterte, dass nur einwandfreie Lebensmittel unter Beachtung aller Hygienevorschriften eingesammelt in einem Laden an Menschen in Not ausgegeben würden. Bereits begonnen hat die Suche nach einem geeigneten Laden, der auch eine kleine Bürofläche haben sollte, so Finkernagel, die nicht nur Lebensmittel ausgeben, sondern »auch für die Sorgen und Probleme dieser Menschen da sein will«, so die Geschäftsfrau.

Die Idee, eine Tafel zu gründen, sei schon vor einem Jahr entstanden, nachdem das »Weihnachtsbenefiz« in Kostas Musikbistro zugunsten kinderreicher und armer Familien in der Kreisstadt in den letzten Jahren ein großer Erfolg war, erklärte Radl. Die Friedberger Tafel werde auf Vereinsbasis arbeiten; Ende Januar/Anfang Februar werde die Gründung des Vereins folgen. Für passive Mitglieder ist ein Jahresbeitrag von 36 Euro vorgesehen, ob aktive Mitglieder überhaupt einen Beitrag zahlen sollen, müsse noch festgelegt werden. Anschließend ging Radl auf die Ausgestaltung der Tafel ein, wobei der Laden im Mittelpunkt stehen werde. Es müsse auch die Möglichkeit bestehen, Kühltruhe- und -schränke aufzustellen, erklärte Radl und bat alle um Mithilfe auf der Suche nach geeigneten Räumen. Die Bedürftigen, die sich mit Bescheiden als solche ausweisen müssen, sollen für eine Tüte voller Lebensmittel einen Beitrag von 1,50 Euro zahlen. Gesucht werden dafür nicht nur aktive ehrenamtliche Helfer, sondern auch Sponsoren und Förderer, die diese Arbeit mit der Übernahme von Kostenanteilen, Geldspenden und der kostenlosen Abgabe von Lebensmitteln unterstützen, so Radl.

Nach der Vereinsgründung soll ein Sponsoren Informations-Abend stattfinden, sagte Radl und kündigte an, dass ein zweiter Laden in Bad Nauheim eröffnet werden soll, »sobald es hier in Friedberg läuft«. Daher seien auch zu diesem frühen Zeitpunkt schon Helfer, Sponsoren und Institutionen aus der Badestadt willkommen. »Wir wollen Lebensmittel verwerten und verteilen, statt vernichten, also es gibt viel zu tun, bitte packen sie mit an«, appellierte Radl an die Anwesenden..

Idee stammt aus den USA

Mit einem großen Lob an die Initiatoren begann Mengeringhaus seinen gut halbstündigen Vortrag: »Ich habe selten Initiatoren einer Tafel erlebt, die mit so viel Druck arbeiten«, erklärte er. Inzwischen sei der Tafelverband patentrechtlich und gesetzlich geschützt. Er freue sich über jeden, der helfen will, aber nicht jeder könne sich einfach »Tafel« nennen. Die Tafeln würden von großen Lebensmittelketten wie Edeka, Rewe oder Lid ebenso unterstützt wie von Daimler Chrysler, Continental oder dem ADAC. Die Tafelidee stamme wie so vieles aus den USA. 1993 gründeten Frauen in Berlin die erste deutsche Tafel. Über 20 Prozent aller produzierten Lebensmittel erreichen nicht den Kunden, berichtete Mengeringhaus und stellte fest, dass die von den bundesdeutschen Tafeln im letzten Jahr verteilten 70 000 Tonnen nur ein Bruchteil der nicht vom Verbraucher genutzten Lebensmittel seien. Inzwischen würden die Lebensmittel mit 650 tafeleigenen Fahrzeugen und 1000 Privatfahrzeugen eingesammelt und zum Teil auch verteilt. »Die Tafeln verstehen sich als Ausgleich zwischen Überschuss und Mangel«, erklärte Mengeringhaus und fügte hinzu: »Wir wollen nicht den Staat ersetzen, er hat Pflichten, die soll er auch wahrnehmen.« Die Tafeln seien da nur eine Ergänzung und vor allem keine Vollversorger.

Wie Mengeringhaus erläuterte, werde die Ware vorher genau betrachtet, und es werde »nur das ausgegeben, was wir auch selbst essen würden«. Er selbst esse auch Joghurts, deren Mindesthaltbarkeitsdatum schon eine Woche abgelaufen sei. In diesem Zusammenhang erläuterte er den Begriff des Mindesthaltbarkeitsdatums, das immer wieder fälschlicherweise als »Verfalldatum« bezeichnet werde. Mengeringhaus riet der Friedberger Tafel zu einer »gezielten Abgabe« an die Bedürftigen mit den entsprechenden Nachweisen, wozu auch der Wohngeldbescheid gehört, »denn wer heute Wohngeld bezieht, der ist sicher bedürftig«.

Anschließend erklärte Radi noch einmal ausführlich die Grundlage und das Konzept der Friedberger Tafel, die an drei Tagen in der Woche Lebensmittel ausgeben will. Wie dies geschehen soll, erläuterte er anhand des Systems der Grünberger Tafel, die von den Initiatoren mehrmals besucht worden war. Immer wieder mussten Radl und Mengeringhaus auch Fragen der Besucher beantworten. Die Einrichtung einer Suppenküche sei derzeit nicht geplant, er klärte Radi auf eine Frage, jedoch gebe es in Wiesbaden einen Gastwirt, der einmal in der Woche eine Suppe kocht, und diese werde in den entsprechenden Behältnissen von der Wiesbadener Tafel verteilt. »Das wäre auch hier denk bar«, erklärte Radi, der alle Anwesenden bat, für die Tafelidee zu werben.

Mehr Informationen über die allgemeine Arbeit der Tafeln gibt es im Internet unter www.tafel.de. Wer Interesse hat, an der Friedberger Tafel mit zuarbeiten oder diese zu unterstützen, kann sich an Hannelore Finkernagel unter Tel. 06031/730350, E-Mail: hanni.finkernagel@t-online.de oder an Peter Radl, Tel. 06031/14954, E-Mail: peter_radl@t-online.de