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Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Karben. Die geplante Karbener Tafel wird höchstens ein Mittagstisch. Das ist das Ergebnis von mehr als einem halben Jahr Ideenschmieden eines Initiativkreises aus derzeit fünf engagierten Frauen. Zudem bremst die „Konkurrenz“: Vergangene Woche kündigte die Friedberger Tafel in der FNP an, ab nun auch für Bedürftige aus Karben und dem Umland geöffnet zu sein.

„Es macht ja keinen Sinn, wenn mehrere um die gleichen Spender werben und die gleichen Bedürftigen ansprechen“, sagt eine der Aktiven, die Seniorenbetreuerin Birgid Jökel. Von der Idee, mit einer eigenen Tafel Lebensmittel an Arme in Karben zu verteilen, sei die Initiative daher schon im Frühjahr abgekommen. Unter einander achten die Tafeln auf Gebietsschutz im Umkreis von 15 bis 30 Kilometern.

Daher haben die fünf Frauen einen anderen Weg eingeschlagen, nennen ihr Projekt „fairTeilen“: „Wir wollen einmal pro Woche einen warmen Mittagstisch anbieten“, erläutert Birgid Jökel. Das Gemeindezentrum in Kloppenheim habe dafür Obdach angeboten, das Berufsbildungswerk Südhessen wolle Essen liefern. „Wir sind nun dabei, die Trägerschaft zu klären.“

Allerdings ist Birgid Jökel selbst verunsichert dadurch, dass die bedürftigen Karbener nun von der Friedberger Tafel versorgt werden sollen. Deshalb wollen sich die Initiatorinnen – darunter auch Angelika Peuser von „Karben hilft Karben“, Gloria Altmann von der Nachbarschaftshilfe und Ingrid Wheelhouse vom Deutsch-Ausländischen Freundschaftskreis – in Kürze beraten. „Es ist noch unklar, wie wir weiter vorgehen“, sagt Jökels Mitstreiterin Ellen Benölken vom örtlichen Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie hofft allerdings darauf, dass das Projekt starten kann, weil: „Der Bedarf ist da.“ Rund die Hälfte der Hartz-IV-Empfänger in Karben schätzen die Frauen als mögliche Gäste ihres Mittagstisches ein. Das wären rund 200 Menschen.

Absolut keine Konkurrenz zu einem solchen Mittagstisch sieht die Chefin der Friedberger Tafel, Hannelore Finkernagel, in ihrem Angebot, dass nun auch Bedürftige aus Karben in die Kreisstadt kommen können. „Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.“ Bei der Tafel werden den Menschen gespendete Wurst, Käse, Brot und andere Lebensmittel ausgehändigt.

Ein Mittagstisch dagegen sei „etwas Wunderbares“: „Das tut den Leuten gut, wenn sie dort einmal reden können“, weiß Hannelore Finkernagel aus Erfahrung. Auch in Friedberg und Bad Nauheim bestehen Mittagstische für Bedürftige neben dem Tafelangebot. Deshalb ist auch Birgid Jökel in Karben zuversichtlich: „Im Idealfall kann beides neben einander existieren.“

Die Tafel von Friedberg auch auf nun 200 Familien in Bad Nauheim und 100 aus dem Umland auszuweiten, sei schon bei der Gründung Anfang 2006 geplant gewesen, erinnert Hannelore Finkernagel. Allerdings habe in der Startphase zunächst sicher gestellt werden müssen, „dass die Logistik stimmt“.

Auch wenn die Karbener Initiatorinnen nun ihre Tafel auf einen Mittagstisch abspecken müssen, sieht Finkernagel doch gute Kooperationsmöglichkeiten, wie das Beispiel Florstadt zeige: Die dortige Nachbarschaftshilfe hole die Lebensmittel für „ihre“ Bedürftigen in Friedberg ab, weil der Weg für viele Arme zu teuer ist. „Das wäre“, sagt Friedbergs Tafel-Chefin, „sicher auch für Karben eine gute Lösung.“