Essen für Bedürftige: Friedberg will Tafel starten
Friedberg. In Friedberg soll eine „Tafel“ künftig Essen an Bedürftige austeilen. Geschäftsfrau Hennelore Finkernagel und ihr Mitstreiter Peter Radl heben dafür einen entsprechenden Verein aus der Taufe, hoffen auf möglichst viele passive wie aktive Mitglieder (sprich ehrenamtlich tätige Helfer) wie natürlich auf Sponsoren welche Geldspenden beisteuern, technisches Gerät wie Kraftwagen und Kühlschränke und— dies natürlich am wichtigsten — Lebensmittel. Ihr Konzept stellten die beiden jetzt im Rathaus von Friedberg vor, wo Bürgermeister Michael Keller (SPD) seine persönliche Unterstützung wie jene der Stadt zusicherte.
„Lieber verwerten als vernichten!“ — so das Motto der Vereinigung „Die Tafeln“. Bedeutet: Einerseits die unappetitliche Überflussgesellschaft in der angeblich 20 Prozent der produzierten Lebensmittel überhaupt nicht den Verbraucher erreichen, sondern stattdessen im Müll landen. Andererseits immer mehr Menschen, die mit dem Stigma „bedürftig“ versehen sind, denen pro Tag gerade mal 4,50 Euro für die Zubereitung von Frühstück, Mittag- und Abendessen zur Verfügung stehen.
In den noch zu findenden Räumlichkeiten in Friedberg sollen bedürftige Menschen zweimal in der Woche zu exakt festgesetzten Uhrzeiten Lebensmittelpakete abholen. „Diese sind jedoch nicht ganz gratis“, erläuterte Radl. „Zum einen gibt es wahrscheinlich eine Deckungslücke in der Finanzierung. Zum anderen hebt es das Selbstwertgefühl der Betroffenen wenn sie für die Produkte bezahlen.“ Er erhoffe sich vom Finanzamt die Anerkennung als „mildtätige“ Organisation weil unter dieser Prämisse Spender einen höheren Prozentsatz von der Steuer absetzen könnten als bei einem gemeinnützigen Verein. Radl mit Augenwinkern:„Und wenn Mitglieder mehr überweisen Tafel als der eigentliche Beitrag, werden wir dieses Geld bestimmt nicht zurück überweisen.“
1993 schwappte die „Tafel“-Idee aus den USA nach Deutschland über. Mittlerweile gibt es hierzulande 540 Tafeln. 26000 ehrenamtliche Helfer sammeln, ordnen und geben in Deutschland die Lebensmittel aus, jährlich 70000 Tonnen. „Deutschlandweit sind 650 tafeleigene und eintausend private Fahr zeuge unterwegs und versorgen ei ne halbe Million Menschen, darunter allein ein Drittel Kinder und Jugendliche“, erklärte Hans Mengerinhaus vom Bundesverband Deutsche Tafeln. „Diese Altersgruppe wächst leider am stärksten.“ Unter den Lebensmittelempfängern sind 48 Prozent Rentner, Nicht-Deutsche und allein erziehende Mütter wie Vater, 41 Prozent Hartz-IV-Empfänger, elf Prozent Obdachlose. „Bei den ausgegebenen Lebensmitteln handeln es sich nicht etwa um solche bei denen das Verfallsdatum abgelaufen ist“, so Mengeringhaus. „Wir geben nur aus, was wir selbst ebenfalls essen würden.“
Nicht nur in Friedberg, vielleicht auch in Bad Nauheim will der neue Verein aktiv werden. „Eine riesige Aufgabe liegt vor uns“, sagte Hannelore Finkernagel. (anm)
Informationen über die Friedberger Tafel unter Telefon (06031) 730350 und 14954, Internet www.tafel.de
